ICH BIN SCHÖN
„Die Schönheit der Welt liegt in ihrer Vielfalt.“
Mahatma Ghandi
Nie zuvor in der abendländischen Zivilisation und der Geschichte der Kunst war es so unklar wie heute, wie wir „schön“ definieren. Am „Schönen“ scheiden sich die Geister und gemeinhin liegt „die Schönheit im Auge des Betrachters“. In der Kunstgeschichte nimmt die Darstellung des „Schönen“ als ästhetische Kategorie einen großen Raum ein. In verschiedenen Epochen und Stilrichtungen verhandeln KünstlerInnen das „schöne Porträt“, den „schönen Körper“, die „schöne Landschaft“, „schöne Stillleben“ usw. Am Ende des 19. Jahrhunderts ändert sich dann alles. Das Ziel der modernen Kunst ist die Negation des „Schönen“.
Heute werden durch Social Media etablierte Vorstellungen von „schön“ permanent herausgefordert. In diesem Kontext ist die Behauptung „Ich bin schön“ ein besonders offenes, hart umstrittenes Statement, das vor allem mit dem Wunsch nach dem „perfekten Schönen“ und der Kenntnis des Anderen, außerhalb der Norm und des Kanons liegenden belegt ist, und viele Fragen stellt. Wer oder was ist schön? Aufgrund einer rapiden Zunahme kultureller Volksabstimmungen und Hybridisierungen im digitalen Raum hat sich ein vollkommen neues Verständnis von „schön“ entwickelt.
Die Ausstellung „Ich bin schön“ bewegt sich im Spannungsfeld eines etablierten Verständnisses von „schön“ und dessen Revision. Heute müssen die Prämissen des vorausgegangenen Verständnisses des „Schönen“ konterkariert werden, damit für die Andersartigkeit von „schön“ ein Feld möglich ist. In verschiedenen Sektionen entwickelt die Ausstellung eine Ästhetik des „Schönen“, die die idealisierte Schönheit sowie den Entwurf einer eindimensionalen Schönheit gegen den Strich bürstet – der Schönheit des Grotesken, Unreinen, und Verdrängten nachgeht sowie dem Marginalisierten, Abjekten und der Abweichung von der Norm Sichtbarkeit einräumt.
Die Ausstellung entfaltet ihre Überzeugungskraft durch herausragende Positionen der Ostkreuzschule für Fotografie Berlin sowie Malerei der Klasse Anke Doberauer der Akademie der Bildenden Künste München und Gästen.